Ortsteil Daisbach

Im Jahre 879 bildeten die Orte Daisbach, Kettenbach und Hausen ein sogenanntes Eigen- oder Hubengericht. An der Stelle, wo der "Daisbach" die zum Gericht gehörende Markung durchfließt oder früher begrenzte, steht heute eines der imposantesten und schönsten Fachwerkbauten des Rheingau-Taunus-Kreises: die Pfarrkirche und das Pfarrhaus von Daisbach.

Deutlich sind die zwei Bauabschnitte dieser zu einem harmonischen Ganzen gefügten Gebäude von außen zu erkennen.

Trotz der Einführung des lutherischen Glaubensbekenntnisses um 1540 und der damit verbundenen gesetzlichen Verbote der katholischen Religionsausübung, gab es hierzulande wie anderwärts noch verhältnismäßig viele Katholiken. 150 Jahre lang hielten sie trotz großer religiöser und materieller Not treu zum angestammten Glauben ihrer Väter. Erst um 1690 begann sich die Härte ihres Schicksals zu mildern.

Freiherr von Galen, Erbkämmerer des Hochstiftes zu Münster in Westfalen, hatte 1677 die Herrschaft über die drei genannten Orte käuflich erworben und war von da an Landesherr.

Die schöne Fachwerkkirche in Daisbach

Er war Katholik und ließ für die damalige Zeit ein geräumiges Haus für seinen katholischen Amtmann und Verwalter als Wohn- und Amtshaus errichten.

Weihnachten 1690 zelebrierte ein Franziskanerpater aus Limburg erstmals wieder das heilige Meßopfer. Hieraus entstand nun eine sonntägliche Selbstverständlichkeit.

Als die Zahl der Katholiken anwuchs, ließ Freiherr von Galen eine Kapelle an sein Amtshaus bauen. Über 100 Menschen konnten jetzt die hl. Messe feiern. Daisbach war ein Mittelpunkt religiösen Lebens geworden. Das Amtshaus war nun Amtsstube, Amtmannswohnung, Kapelle, Schule und Wohnung der Geistlichen geworden.

1715 führte man die Fronleichnamsprozession ein. Diese ist bis heute eines der besonderen Ereignisse für alle Gläubigen. 1739 errichtete man den Chor; es wurde ein kleiner Turm aufgesetzt und 1740 erklangen zum erstenmal nach der Reformation 2 Glocken zu den Gebets- und Festzeiten der hl. Kirche.

1777 wird Daisbach Pfarrei und im Jahre 1834 hatte Daisbach ganze 221 Einwohner mit einer rein landwirtschaftlichen Dorfstruktur. Erst gegen 1860 änderte sich das idyllische Dorfleben durch das Silbervorkommen in diesem Bereich. Die Straße "Am Silberberg" weist noch heute auf das damalige umfangreiche Silbervorkommen hin. Diese Grube, die man danach erschloß, wurde unter dem Namen "Haus Nassau" in das Bergregister eingetragen.

1874 arbeiteten 5 Leute unter und 2 über Tage, und zwar mit ihren Angehörigen. Immerhin fanden 15 Personen kurzfristig Beschäftigung.

Ein englisches Konsortium begann mit der Ausbeute. Immerhin wurde fast 1 Mio. Mark in das Vorkommen gesteckt, das auch einige Panroder, einen Michelbacher und sogar einen Mann aus St. Goarshausen beschäftigte. Die Ergiebigkeit ließ jedoch zu wünschen übrig und nach kurzer Zeit wurde der Stollen stillgelegt.

Bei der Schließung, im Jahre 1879, war die höchste Arbeitnehmerzahl erreicht. 30 Arbeiter, 22 unter Tage und 8 über Tage; dabei auch Kinder unter 14 Jahren waren in der Grube beschäftigt. Die englische Firma "Taunus Silver-Lead and Copper Mining Company" (Taunus Silber - Blei- und Kupfer-Bergbaugesellschaft) mußte aufgeben.

Offiziell, so war die Sprachregelung, wegen zu großen Wasseranfalls. Auch der Krieg forderte seine Opfer. Heute ist der reizvolle Ortsteil ein Schmuckstück in der Großgemeinde geworden.

Kerbegesellschaft Jahrgang 1910 mit den Blasmusikern der Bonscheuer
Blick auf Daisbach

Impressionen

  • Brunnen
  • Kirche