Ortsteil Kettenbach

In der Chronik wird Kettenbach erstmalig im Jahre 845 erwähnt: "Da bewegte sich am letzten Sonntag im Oktober ein glänzender Zug aus dem Tal herauf auf die Höhe, wo jetzt unser Dorf steht. An der Spitze ritten die Herolde, die das Nahen der höchsten irdischen Majestät ankündigten, des Kaisers Ludwig des Deutschen (843 - 76). An seiner Seite ritten des Kaisers Schwager, Graf Gebhard vom Niederlohngau, geistliche und weltliche Würdenträger folgten in großer Zahl. Aber auch viel Volk war zusammengeströmt, um diesen Tag und sein glänzendes Schauspiel mitzuerleben."

Kettenbach um 1932

Dieser Tag war der erste, der in der Geschichte des Dorfes und der engeren Heimat genannt wird. An ihm fand die Weihe des Stiftes des heiligen Severin statt, das durch den Grafen Gebhard vom Niederlohngau gegründet wurde. Früher, so vermerkt der Chronist, muß die Gemeinde zu "Dursdorf" gehört haben, denn es wird aufgeführt, daß 4 Bauernhöfe mit Wiesen und 20 Wagen Heu, Wald, Mühle und 15 Leibeigene an das Kloster Lorsch übereignet wurden. Der bereits benannte Graf Gebhard stiftete ein Kloster. 24 Mönche, 12 Geistliche und 12 Laienbrüder nahmen Wohnung in dem neuen Stift. Mit dieser Stiftung des Klosters verband der Kaiser auch große Schenkungen an Land und Leute und übergab den königlichen Weiler (Dorf) Lierschied, das damals aus 17 Haushaltungen und 64 Einwohnern bestand, die ganze Gemarkung mit den dazugehörigen Waldungen, ansehnliches Land in Hahnstätten und anderen Orten. Im Jahre 879 verlegte Graf Gebhard das Stift nach Gemünden im Westerwald. In den Urkunden wurde zwischen Ober- und Niederkettenbach unterschieden. Der Nauenhäuser Hof beispielsweise wurde dem Bereich Nieder - oder Unterkettenbach zugeordnet. Er war zehntpflichtig dem Stifte zu Gemünden aus dem Westerwald. Der obere Hof war hessisch, zehntpflichtig an die von der Leyen und pfarrte nach Ackerbach zur Kirche. Kettenbach hatte schon damals ein Eigen- und Hubengericht mit 14 Schöffen. Es erlangte im Laufe der Jahrzehnte alle Attribute eines Zehnt- und Landgerichtes.

Teilansichten von Kettenbach 1906

Der Hof Rahstadt (1449) auch Ramscheyd genannt, gehörte 1608 der Familie von Heiden und war bis 1872 ein Hofgut der Familie Conradi. Er ist inzwischen verfallen; seine überwachsenen Steine und Ruinenteile sind ein letzterer äußerer Nachweis eines ehemalig gesunden Besitztums. Der noch teilweise vorhandene Brunnen wurde von den Mitarbeitern des Bauhofes der Gemeinde Aarbergen im Oktober 1998 freigelegt und wiederaufgebaut.

Getreideernte mit der Mähmaschine

Ackerbau und Viehzucht waren fast die einzige Beschäftigung der Bewohner. Handwerker befanden sich nur unter den Leibeigenen. Bis zum Jahr 1000 war 1/6 der Gemarkung landwirtschaftlich nutzbar. Die Höfe lagen vereinzelt. Ein Franziskanermönch in Ulm bezeichnete sich zum Ende des Mittelalters als Heinrich von Kettenbach, ein Volksschriftsteller, der Ulm 1523 verlassen mußte. Man fand ihn benannt im Gefolge von Franz von Sickingens in der Fehde gegen Kurtrier wieder. Seine Schriften unterzeichnete er stets mit Heinrich von Kettenbach oder einfach Heinrich Kettenbach. Sein Freund Johann Locher aus München begann im Jahre 1523 seine Schrift an seinen Mitbruder mit den Worten: " O ritterlicher Bruder Kettenbach! ". Im Jahre 1751 wurde die jetzige Kettenbacher Kirche erbaut, erstellt von den beiden Kirchenbaumeistern Johann Peter Kettenbach und Johann Philipp Schauß Der würdige Bau an hervorragender Stelle, hoch über dem Aar- und Scheiderbachtal, unterstand der Oberherrschaft des Fürsten von Nassau-Saarbrücken Saarweden und den Patronatsherren von Leiningen-Westerburg. Es war der 3. Kirchenbau, nachdem vermutlich das erste Gotteshaus etwa um das 15. Jh. aus Holz errichtet worden war. Die Urkunde im Grundstein besagt, daß die Weihe der neuen Kirche am letzten Sonntag im Oktober erfolgte, es war der 27. Man zog damals vom alten Pfarrhaus - das neue erstand 1826 - zum neuen Gotteshaus. Das besondere Schmuckstück bildet die alte Barockorgel.

Die Michelbacher Hütte von der B 54 aus gesehen.

Bereits 1562 plante man erstmalig in Kettenbach den Bau einer Schule. Doch erst im Jahre 1591 wurde dieser Plan verwirklicht. Es war die erste Schule im hiesigen Bereich. Im Jahre 1634 wurde ein Schulgebäude in der jetzigen Kirchstr. 10 erstellt; Unterricht hielt man nur im Winter. Die Zahl der Bewohner war in dieser Zeit gering. Im Jahre 1640 wurden im gesamten Kirchspiel Kettenbach nur 4 Kinder geboren. Im Jahre 1819 beendete man die sogenannte Kirchspielschule. Daisbach richtete sich zur damaligen Zeit eine eigene Schule ein. Die Kinder von Hausen wurden nach Rückershausen eingeschult. Die sogenannte "Elementarschule " hielt Einzug.
Der erste Lehrer war Johann Wilhelm Alberti, dessen Nachkommen in Kettenbach heute noch "Schullehrers" genannt werden. Die zweite Schule befand sich bis zum Jahre 1927 im Hause Kirchgasse 1. Am 10. Oktober 1927 beging man feierlich die Einweihung der neuen Schule, dem heutigen Rathaus.

Michelbacher Hütte 1632 - 1884 / Passavant-Werke 1884 - heute

100 Jahre im Besitz der Familie Passavant

Nahe der Einmündung des Scheidertals oder Aubaches in die Aar, stand nach Beendigung des 30jährigen Krieges 1618-1648 eine Herzoglich Nass. Dominal Öl- und Weißmühle. Es waren nur noch Trümmer, auf denen man im Auftrag des Landgrafen Johann von Nassau-Idstein und Saarbrücken die Grundsteinlegung vornahm für ein Eisenwerk.

Man fand einen guten Fachmann aus Berg-Nassau-Scheuern namens Plebanus.Es war der 8. Dezember 1652, als man mit den Arbeiten zur Errichtung der Hütte begann. Die Wasserräder erzeugten damals eine Leistung von ca. 70 PS.Von seiten des Grafenhauses setzte man Faktoren als Verwalter ein. Viele Verwalter, Hüttenschreiber, Ofenleute und Former haben ihr Wissen und ihr Können von Generation zu Generation weitergegeben. Das Eisenerz kam ja ganz aus der Nähe von Rückershausen und der Bonscheuer. Die Holzkohle lieferten rundum die gräflichen Waldungen. Die Köhler hatten viel zu tun, denn nur Holzkohle konnte man für den Schmelzvorgang verwenden.

Landgraf Johann von Nassau-Idstein und Saarbrücken

Bis 1884 hatte die Michelbacher Hütte viele Tiefen und Höhen zu überwinden. Mal waren es gute, mal waren es schlechte Verwalter oder Pächter. Die Herren von Lossem, gute Hüttenfachleute, waren wohl die hervorragendsten in der Hüttengeschichte bis zu dem Tage, an dem der Frankfurter Architekt, damals 43jährig, Samuel Adolf Passavant die Michelbacher Hütte kaufte. Ein Jahr nach dem Kauf waren schon 100 Leute beschäftigt. Glückliche Tage waren dies für die Umgebung. 1894 wurde das letzte Glied der Bahnstrecke Limburg-Wiesbaden geschlossen; es war die Strecke Zollhaus-Bad Schwalbach. Diese Verbindung war für den im Aufbau befindlichen Betrieb von großer Wichtigkeit.

1911 trat sein Sohn Wilhelm Passavant in die Geschäftsleitung seines Vaters ein. Wilhelm Passavant hatte in Darmstadt und Klausenburg an der TH das Ingenieurstudium absolviert. 1917 übernahm Ing. Passavant allein die Führung des Betriebes. Es waren inmitten des Krieges 1914-1918 schwere Zeiten. Material und Brennstoffe waren ja rationiert. 1926 verstarb der Seniorchef des Hauses, Samuel Adolf Passavant.

Adolph Samuel Passavant

Zusehends ging es mit der Firma bergauf. Die Zahl der Arbeiter war Mitte der 30er Jahre auf 400 gestiegen. Der Krieg 1939-1945 brachte dem Betrieb ganz andere Aufgaben. Heereslieferung -10,5 Granaten, Flackgranaten 8,8, Wurfgranaten für Granatwerfer, Rohrausgleicher für Kanonen, Rohrhalterungen für Panzer usw. Niemand wurde gefragt. Der Staat bestimmte die Aufgabe des Betriebes.
Bei Kriegsende besetzten Fremdarbeiter und ehemalige Gefangene die Firma und plünderten, was brauchbar war. Nach dem Kriege ging die Entwicklung steil nach oben. Die Zahl der Beschäftigen stieg, Arbeitsplätze und Werkshallen wurden geschaffen. Das Arbeitsprogramm bestand aus Baumaschinen, Bausteinfertigung, Mischer für Beton, Kläranlagen, Haus- und Hofentwässerung und vieles mehr. Am 31. 3. 1959 verstarb der Chef des Hauses Passavant, 8 Tage vor seinem 73. Geburtstag.

Dipl.-Ing. Udo Passavant übernahm nun das verpflichtende Erbe seiner Familie getreu dem Wappenspruch des Hauses "Passe anvante le meilleur". Zwei Brüder von Dipl.-Ing. Udo Passavant blieben im Krieg (1939-1945). So ruhte die gesamte Last der Familie in seinen Händen und auf seinen Schultern. Neue Werkshallen entstanden, die Zahl der Arbeitnehmer stieg. Mit mehr als 800 Fahrzeugen kommen täglich 2000 Beschäftigte zur Arbeit.

Die Jahre der Rezession sind nicht spurlos an den Passavant-Werken vorbeigegangen. Heute gilt das Werk jedoch als konsolidiert, solide und in der Branche in Europa führend. Ein Werk, das Generationen von Familien Arbeit und Brot gab.

Impressionen

Kirche in Kettenbach